Kleinkunstrallye 2009
Interview mit Pascal Mettler, kreativer Kopf und Koordinator der KleinKunstRallye Winterthur
«Die Häuser platzten aus allen Nähten»
Die 2. Winterthurer KleinKunstRallye ist vorbei: Zufrieden?
Pascal Mettler: Sehr. Die KleinKunstRallye war ein voller Erfolg. Sie war gar noch besser als die erste letztes Jahr.
Das ist ja auch nicht besonders schwierig: Vergangenes Jahr hat es doch den ganzen Tag geregnet…
… das stimmt zwar schon. Aber die 2. KleinKunstRallye war nicht nur gelungener, weil sie an einem traumhaften Spätsommertag stattgefunden hat. Wir haben das letztjährige, preisgekrönte Konzept noch verbessert.
Wie das denn? Wurden nicht schon 2008 drei Touren mit je vier Stationen durchgeführt?
Die Touren haben wir gelassen wie sie waren. Die Begeisterung des Publikums hat uns auch dieses Jahr wieder Recht gegeben, dass die Anzahl der Stationen genau richtig ist. Dafür haben wir aber das Programm am Standort Graben verdichtet. Und mit der Gruppe «Sebass» hatten wir gar eine erfolgreiche Jungband engagieren können. Nur knapp drei Wochen vor der KleinKunstRallye haben die jungen Musiker den kantonalen Nachwuchswettbewerb «Band it» gewonnen.
Hat sich der Standort am Graben bewährt? Dort hat es doch üblicherweise nicht so viele Passanten wie etwa am Untertor.
Das mag sein. Der Graben ist aber für die Attraktionen des Rahmenprogramms ein hervorragender Standort. Die Passantenfrequenz ist auch dort hoch, doch gibt es im Gegenstatz zur Marktgasse genügend Platz, um stehen zu bleiben und dem Geschehen zuzuschauen, ohne dass die Zuschauer den gesamten Verkehr blockieren. Zudem hatten wir in diesem Jahr einen Stand auf der Höhe des Casinotheaters.
Gab es den nicht schon früher?
Ja, bevor der «Verein Kulturfenster» im Auftrag des «Runden Tisches Theater +», der Vereinigung der Winterthurer Bühnenschaffenden, die KleinKunstRallye ins Leben rief, fand jeweils das sogenannte Kulturfenster statt. Dabei wurden die auch in diesem Jahr wieder verteilten Werbematerialien der Theater, zusammen mit einem Eintrittsgutschein, an Passanten verteilt. Dank des Standes konnten wir viele zusätzliche Menschen ansprechen und auf den Start der Ralleys im Graben aufmerksam machen.
Wie verliefen denn die Ralleys? Lassen sich Passanten einfach so auf eine Tour entführen und von Bühne zu Bühne geleiten?
Auf jeden Fall! Wir hatten auf allen drei Touren eine grosse Zahl von Menschen, auf gewissen Abschnitten über 80 Personen, die den Geiern der Stelzentruppe «gangart» folgten, die in der halben Innenstadt für Aufsehen sorgten. Und einige der besuchten Häuser platzten aus allen Nähten.
Was fand an den einzelnen Stationen statt? Gab es besondere Höhepunkte?
Jeder Auftritt für sich war ein Höhepunkt. Es war den teilnehmenden Häusern überlassen, welchen Ausschnitt aus ihrem Schaffen sie den Zuschauern präsentieren wollten. So kam ein buntes Programm zusammen, das jedes Haus in charakteristischem Licht zeigte. Im Casinotheater etwa stand mit der Slampoetin Lara Stoll die Wortakrobatik im Vordergrund, während im Marionettentheater ein Einblick in die Produktion «Kalif Storch» gewährt wurde. Und an einigen Orten durften die Besucher gar selber aktiv werden: Im Kellertheater erhielten sie eine Schnellbleiche in Theaterkunst und bei der Lesung von Christoph Huersch in der CoalMine BookBar las ein mutiger Herr zur Überraschung aller nicht nur einen Teil der ersten Geschichte vor, sondern präsentierte mit der frisch erworbenen Bühnenkompetenz auch gleich noch eine nette Anekdote aus seiner Jugend.
Welche Reaktionen hast du von den Teilnehmern erhalten?
Durchwegs positive: Eine junge Mutter meinte, endlich sei sie mal im Marionettentheater gewesen. Dort werde sie sicher mal mit ihrem Sohn eine Vorstellung besuchen. Und ein Senior zeigte sich erstaunt über das breite Angebot. Es werde erst auf so einer Tour klar, was Winterthur an Theaterkultur alles biete.
So hat sich das Engagement ja gelohnt. Darf man also für 2010 eine dritte KleinKunstRallye erwarten?
Ginge es nach mir, sofort! Allerdings ist die Austragung eines solchen Anlasses nicht ganz gratis. Dieses Jahr konnten wir noch etwas vom letztjährigen Preisgeld einsetzen, das wir mit unserem Rallye-Konzept beim Wettbewerb des Migros Kulturprozent gewonnen hatten. Für 2010 müssen wir die Finanzierung auf einem anderen Weg erst wieder sicherstellen, bevor ein solcher Entscheid gefällt werden kann. Und natürlich müssen die vielen anderen Beteiligten eine dritte Rallye mittragen. Im November werden dazu die ersten Gespräche geführt.
Interview: Simon Hungerbühler